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Die Konvergenz befischen

Es gibt diese Stellen, an denen einfach mehr Meerforellen gefangen wird, als an anderen Abschnitten, die nur wenige Meter daneben liegen. Woran liegt das? Solche Hotspots können sehr unterschiedlich aussehen und sind auch nicht immer sehr auffällig. Sie liefern auch nicht bei jeder Wetterlage gleich gut ab. Aber ein Merkmal zeigen viele dieser Plätze oft auf - sie erzeugen einen Konvergenzbereich. Und das schauen wir uns mal genauer an.



Immer dann, wenn eine uferparallele Strömung auf ein Hindernis trifft, wird es spannend. Dabei ist es egal, ob das Hindernis natürlichen Ursprungs ist oder nicht. Ein Strömungshindernis kann u.a. ein Steinriff, eine Muschelbank, ein Sandvorsprung oder auch eine künstliche Buhne sein. Diese Formationen sind nicht nur ausgezeichnete Verstecke für Kleinstlebewesen. Viel wichtiger: Sie lenken die Strömung um. Und genau in diesen Konvergenzbereichen finden wir einen der beliebten Futterplätze der Meerforelle.


Konvergenz / Meereskunde: Zusammentreffen oder Wechsel von Strömungen des Meerwassers

Dazu ein Beispiel. Auf dem Foto sehen wir ein natürlich enstandenes Steinriff. Sehr klein in seiner Art, dafür sehr markant im Aufbau. Das Foto habe ich bei windstille geschossen, damit man die Struktur besser erkennen kann. Wind, Wellen, Sedimenttransport und Strömungen müssen wir uns jetzt vorstellen. Sie sind durch Pfeile angedeutet.



Wie sich der Wind auf die Strömung und den Transport von Sedimenten auswirkt, ist durch den weißen Pfeil veranschaulicht. Im Zusammenspiel mit dem Wind und den Wellen aus Richtung des blauen Windvektors sorgt das für einen Transport (roter Pfeil) von aufgewirbelten Kleinstlebewesen (z.B. Plankton) in die rote Zone, den Konvergenzbereich. Dort staut sich das Wasser und wird umgelenkt. Die von der Strömung mitgeführten Kleinstlebewesen sinken in diesem Bereich zu Boden und werden von Garnelen, Mysiden, Sandaalen, Grundeln, etc... gefressen, welche wiederum auf dem Speiseplan der Meerforelle stehen. Da das sich im Konvergenzbereich aufstauende Wasser nicht dauerhaft steigen kann, sucht es sich einen Weg, wo es dann wieder ausströmen kann. Hier dargestellt durch den gelben Pfeil. Aus dem Wissen um dieses Zusammenspiel ergibt sich jetzt eine mögliche Strategie, wie dieser Konvergenzbereich abgefischt werden kann.



Ich beginne immer mit dem Befischen der windzugeneigten Seite (Luv), im Bereich der roten Zone, der Konvergenz. Danach wate ich auf der Luv-Seite weiter hinaus um den Ausstrom (gelber Pfeil) intensiv zu beangeln. Die windabgeneigte Seite (Lee) kommt als letztes dran, außer wenn der Wasserstand sehr hoch ist und die Strömung über das Riff läuft. Das ist aber eher selten der Fall. Meiner Erfahrung nach stehen in den meisten Fällen die Fische in dem Bereich innerhalb der Konvergenz und des Ausstroms. Da sich solche geologischen Strukturen über Jahrzehnte an unseren Ausgleichsküsten entwicklen und die Meerestiere diese Bereiche als Futterstellen kennen, sind es verlässliche Plätze für unsere Fischerei.


Das Foto mit dem kleinen Steinriff dient nur als Beispiel. Für mich sind alle Bereiche, in denen sich eine Konvergenz bildet, spannend. Egal unter welchen Umständen diese auch entsteht. Nicht selten sind genau das die Hotspots auf einer Strecke, die es konzentriet abzufischen gilt und an denen die meisten Schlachten geschlagen werden.


Wir sehen uns draußen. 👋🏻

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