3 Tipps für faires Releasen

Von der Sekunde an, in der wir sie gehakt haben, bis zum Moment des Freilassens erfahren Fische ein gewisses Maß an Verletzung und Stress. Aus wissenschaftlicher Sicht reden wir von einer physiologischen Störung. Selbst wenn ein Fisch beim Release kraftvoll wieder davonschwimmt, können die Auswirkungen des Fangens und Freilassens negative Folgen auf ihn haben. In diesem Bericht möchte ich drei Punkte erwähnen, die in der Kontrolle des Anglers liegen, um ein möglichst faires Releasen zu ermöglichen. Diese einfachen drei Punkte sind allgemein gültig, wissenschaftlich gestützt, sehr einfach in der Praxis umzusetzen und für eine Vielzahl von Fischarten gültig.


Meerforelle, Sea Trout, Havørred

1. Die Zeit außerhalb des Wassers minimieren

Genau wie Menschen brauchen Fische Sauerstoff, um lebenswichtige Körperfunktionen zu unterstützen und am Leben zu bleiben. Der Unterschied zu uns besteht darin, dass Fische ihren Sauerstoff aus dem Wasser beziehen, nicht aus der Luft. Bei der „Atmung“ von Fischen wird Wasser in das Maul und über die Kiemen geleitet. Sei es durch aktives Inhalieren oder durch das Schwimmen mit offenem Maul.


Ebenso wie Menschen müssen Fische während und nach einer Anstrengung mehr atmen. Das gilt insbesonders, wenn sie am Ende einer Angelschnur gekämpft haben. Eine maximale Sauerstoffaufnahme wenn sich der Fisch vom Stress des Drills erholen will/muss, ist somit für eine schnelle Genesung unerlässlich. Einen Fisch nach dem Fang aus dem Wasser zu nehmen, verhindert die schnelle Genesung und kann zum Tod führen, wenn es zu lange dauert. Sogar kurze Zeiten außerhalb des Wassers (10 - 20 Sekunden) können Fischen schaden. Diese negativen Auswirkungen lassen sich reduzieren, indem wir das Maul und die Kiemen eines Fisches so weit wie möglich im Wasser lassen.


2. Den Kontakt mit trockenen Öberflächen vermeiden

Fische haben eine schützende Schleimschicht und Schuppen, die sie vor Krankheiten schützen. Der Kontakt mit trockenen, harten oder rauen Oberflächen (wie Hände, Steine, Sand, etc....) kann die Schleimschicht und die Schuppen entfernen, wodurch Fische anfälliger für Krankheiten, insbesondere Pilzinfektionen, werden. Wenn wir Fische im oder über dem Wasser halten und sie mit sauberen, nassen Händen oder einem weichen Gumminetz berühren, bleiben ihre Schleimschicht und ihre Schuppen intakt und die Fische frei von Krankheiten.


3. Das Handling kurz halten

Fische sind wilde Tiere und der Kontakt mit uns Menschen ist für sie extrem stressig. Egal ob wir sie mit der Hand oder dem Netz berühren. Alle Wildfische schütten im Drill Adrenalin aus und verbrauchen im Blut gebundene Glukose, um ihre Kampf- und Fluchtreaktion während des Drills aufrecht zu erhalten. Es kann Stunden dauern, bis sich ein Fisch nach dem Release physiologisch wieder normalisiert. Je länger wir den Kontakt zum Fisch halten, desto stressiger wird es für ihn. Wir sollten uns nicht von dem Eindruck täuschen lassen, dass wenn ein Fisch „gut wegschwimmt“, es ihm wieder gut geht. Das ist kein Zeichen dafür, dass er sich erholt hat.


Alle drei Punkte sind einfach zu handeln. Wenn wir den Fang releasen möchten, ist es also nur fair, den Fisch schnell freizulassen. Wenn möglich sogar ohne ihn zu berühren oder einzunetzen oder lange in der Luft zu halten. Die Fische haben es verdient.


Tight Lines! 👋🏻