Suche

Über Kopfschlagen und Ausschlitzen


Von der Sonne an diesem Tag war ich anfangs nicht so begeistert. Die schien mir etwas zu heftig. Aber am Spot angekommen stellte sich die Lage recht positiv dar. Springende Tobiasfische verrieten, dass jemand am Jagen war und weiter draußen patrouillierten ein paar Schweinswale. Das Meer hatte zudem diese perfekte, schlierige Trübung.

Dieser erste Eindruck am Platz hat nicht getäuscht. Nach einem Grönländer innerhalb der ersten 40 Minuten stieg ca. 20 Minuten später eine gute Meerforelle zwischen 58-62 cm ein. Nach anfänglicher Hektik und nachdem ich die Lage unter Kontrolle hatte, griff ich in meine Brusttasche, zog die GoPro raus und ging volles Risiko.

Mit etwas Glück, der Kamera in der Schnurhand an der Leine ziehend und ein paar akrobatischen Verrenkungen meinerseits konnte ich im Drill ein brauchbares Unterwasserfoto der kampfstarken Meerforelle knipsen. Wütende Kopfschläge standen auf ihrem Programm.

Die von der Oberfläche mitgerissenen Luftblasen zeigen wie ich finde ganz gut, mit welcher Wucht und Dynamik diese oft nicht sichtbaren Schläge im Wasser ausgeführt werden. Zum Glück saß der Haken korrekt und meine Risikobereitschaft wurde belohnt. Die Meerforelle konnte sicher gelandet und released werden.

Diese Aktion hätte auch anders ausgehen können. Wenn der Haken jetzt nur vorne auf dem Kieferknochen gesessen hätte (siehe Skizze), wäre dieser Kopfschlag der klassische Zeitpunkt, an dem sie sie ausschlitzt. Dieses Szenario kennt vermutlich jeder von uns. Lässt sich dieses Ausschlitzen grundsätzlich vermeiden? Vermutlich nicht, aber trotzdem lässt sich da etwas optimieren.

Im vorderen, harten Bereich des Unterkiefers, wo die Zähne sitzen, ist die Gewebeschicht unter dem Kieferknochenkamm auf dem Knochen sehr dünn. Gerade mal 2,8 - 3,5 mm bei Meerforellen zwischen 50-60 cm Größe. Der Haken sitzt unter Umständen also direkt auf dem Kieferknochen, rutscht dort entlang und kann nicht tief genug eindringen.

Um diese im Drill nicht kontrollierbare Gefahrenquelle möglichst klein zu halten und um ein eventuelles Ausschlitzen vorbeugend zu vermeiden, versuche ich, auf folgende Punkte zu achten:

  • sehr hart mit der Schnurhand anschlagen

  • dünndrahtige Haken einsetzen, diese dringen tiefer in den Knochen ein

  • auf Widerhaken verzichten, ggf. Widerhaken andrücken

  • hart drillen

  • unbedingt den Kontakt zum Fisch halten

  • eine Slackline (schlaffe Schnur) vermeiden

  • die Meerforelle so schnell wie möglich landen

Messung der Drahtdicke ohne Berücksichtigung des Widerhakens

Ein genauer Blick auf die genutzten Haken kann sich lohnen. Allein die Unterschiede in puncto Drahtdicke sind schon recht groß. Wenn jetzt noch der auftragende Widerhaken zur Drahtdicke hinzuaddiert wird, könnte dies zu der beschriebenen kritischen Situation führen. Wobei eine passende Form, Schärfe und Stabilität des Hakens für unseren Einsatzzweck natürlich vorausgesetzt sein müssen.

Die Summe aller erwähnten Punkte minimiert die Aussteigerquote merklich und ist zudem schoned für den Fisch, falls er nach der Landung released werden soll. So hätten am Ende beide am Drill beteiligten Parteien eine Win-Win-Situation. :-)

Ich wünsche Tight Lines!


© 2020 by CoastlineFlyFishing.com