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Im Trüben fischen

In leichter Trübung zu fischen, zählt zu den besten Situationen an der Küste. Die Meerforelle hat wenig Zeit zum Überlegen. Wenn sie Beute ausmacht, geht sie drauf - sonst ist sie weg. Konsequente Bisse sind die Folge. Aber was ist „leichte“ Trübung? Wie entsteht sie? Wann wird sie zu stark? Wo jagt darin die Meerforelle? Ein kurzer Überblick sorgt für Klarheit.

Wie sie entsteht.

Die küstennahe Trübung entsteht bei auflandigem Wind oder wenn Dünung vom stürmischen Vortag auf die Küste trifft. Brechende Wellen wirbeln Sediment auf und trüben das Wasser ein. Je höher der Wasserstand und die Windstärke sind, desto stärker und schneller geschieht das. Je nach Beschaffenheit des Untergrunds kann die Trübung sehr unterschiedlich ausfallen. Steilküsten mit Lehmkanten trüben z.B. sehr schnell und großflächig ein, 2-3 bft können nach 3 Stunden schon ausreichen. Steinige Böden mit festem Untergrund vertragen auch gerne eine 5 bft - sie trüben sehr langsam und reduziert ein. Küstenstreifen mit Blasentang liegen irgendwo dazwischen. Trübungseffekte treten an unterschiedlichen Spots unterschiedlich stark auf. Ortskenntnis ist zwar hilfreich, aber noch lange kein Garant dafür, das sich die Lage vor Ort wie erhofft vorfindet.

Es gibt zudem einige seltenere Situationen, die auch zu einer Trübung führen können - Pegelschwingungen des Wasserstands, eine Springtide oder durch starke Drehwinde verursachte Strömungen, etc... - aber diese Szenarien sind so selten, dass wir sie ausklammern können.

Was ist leichte Trübung? Wann wird sie zu stark?

Die Faustformel: Fischbar ist eine Trübung, die eine Sicht von ca. 70-80 cm zulässt. Alles was trüber ist, verliert zunehmend an Produktivtät, was die Fangquote betrifft. So zumindest meine Erfahrung. Ich muss aber zugeben, dass ich auch schon Meerforellen in extrem dicker Suppe gefangen habe (Sicht unter 50 cm), aber das war die Ausnahme. Meistens waren es Smolts. Wenn die fischbare Zone nur aus starker Trübung besteht, wechsle ich sofort die Stelle.

Wo jagt die Meerforelle in der Trübung?

Hier gehen die Meinungen stark auseinander. Ich würde sagen, dass die meisten Meerforellen, und insbesondere die Großen, nicht in die ganz trüben Bereiche hineinziehen. Sie jagen lieber in den Übergangszonen vom klaren zum stark eingetrübten Wasser. Vielleicht, um sich eine Rückzugmöglichkeit offen zu halten oder um nicht die Orientierung zu verlieren. Aber wer weiß das schon? Das ist nur meine Beobachtung.

Da die Größe dieser Übergangszonen abhängig von der Situation vor Ort ist, sind diese Bereiche von Spot zu Spot unterscheidlich.

Wind auflandig mit 4 bft

Hier ein Beispiel für eine großflächige Trübung auf einer Seegraswiese, wo die fischbare Zone ca. 20 Meter von der äußeren Trübungskante betrug. Ein Standplatz auf einer vorgelagerten Sandbank machte die Fischerei in diesem Bereich überhaupt möglich. Eine hübsche Mefo jagte am helllichten Tag in der Deckung der Trübung nach orientierungslosen Futtertieren und hat prompt die Fliege genommen.

Ein kampfstarker Sommerfisch mit dunkelgrünem Nacken aus einer Trübungskante.

Wie lange hält die Trübung an?

Trübungen kommen und gehen. Ein großflächig eingetrübter Platz wie auf dem Foto kann bei Windwechsel und entsprechendem Auslaufen der Dünung nach 12 Stunden wieder glasklar sein. Steinige Spots nach 3-6 Stunden und Steilküsten mit Lehmkanten brauchen auch gerne mal 24 Stunden. Aber das ist nicht einfach einzuschätzen und kann variieren.

Es lohnt sich, gezielt Trübungskanten aufzusuchen. Wer diese effektive Art der Fischerei noch nicht berücksichtigt, sollte das mal ausprobieren.


Viel Erfolg!

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